September 2017

37’000 Versicherte unter einem Dach

Im Laufe der nächsten Wochen wird die Fusion von Comunitas und Previs mit dem Eintrag ins Handelsregister Tatsache. Mit dieser Fusion wird die Previs Vorsorge mit mehr als 37’000 Versicherten und einer Bilanzsumme von rund 5 Mia. Franken zu den Top 10 der Branche gehören.

Mit dieser Sondernummer von PREVUE, dem Magazin der Previs, liefern wir Informationen, Zahlen, Fakten und Einschätzungen zur Fusion. PREVUE erhalten auch die Kundinnen und Kunden der Comunitas, die bisher mit dem Newsletter «Comuniqué» über den Geschäftsgang ihrer Pensionskasse ins Bild gesetzt wurden.

Die Delegierten wählten am 21. Juni 2017 in Bern einstimmig zehn Mitglieder in den neuen, paritätisch zusammengesetzten Stiftungsrat.

Von links nach rechts: Reto Lindegger (Schweizerischer Gemeindeverband), Jürg Thöni (Spital STS AG), Pierre Spielmann (Stadt Murten, designierter Vizepräsident), Matthias Bütikofer (Schweizerischer Zentralverein für das Blindenwesen, St. Gallen), Peter Flück (Brienz Rothorn Bahn, Präsident), Stephan Spycher (Gemeinde Vinelz), Martin Gafner (Siloah AG), Urs Obrecht (Heime dahlia), Alfred Amrein (Atupri Gesundheitsversicherung) und René Küng (Stadt Zofingen).

«Entscheidend waren Vertrauen und Transparenz»

Peter Flück (Präsident) und Pierre Spielmann (Vizepräsident) werden an der strategischen Spitze der fusionierten Previs stehen. Der Berner Oberländer Unternehmer und Politiker Flück war schon bisher Präsident der Previs. Spielmann, Stadtkassier von Murten/Morat, war Vizepräsident der Comunitas.

 

Blicken wir nach eineinhalb Jahren Projektarbeit zurück: Was bleibt Ihnen aus dieser Zeit in besonderer Erinnerung?

Flück: Es war ein intensiver Prozess, der vom ersten Moment an auf der Stufe der beiden Stiftungsräte in einer Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens und der Transparenz geführt wurde. Und: Wir haben das Projekt in einem sportlichen Tempo umgesetzt, ohne in Hektik zu verfallen.

Spielmann: Es war in der Tat ein gutes Teamwork, unter frühem Einbezug des Schweizerischen Pensionskassenverbandes (ASIP) und der Stiftungsaufsicht. Und externe Experten haben uns in unseren Bemühungen unterstützt.

Wo bestanden die grössten Herausforderungen? Oder anders gesagt: Woran hatten Sie am meisten zu beissen?

Flück: Für mich war vor Beginn des Projektstarts die grosse Frage, wie die Mitarbeitenden reagieren würden. Wie kommt eine solche Botschaft beim Personal an? Die Reaktion der Mitarbeitenden hat mich beeindruckt. Auch wenn wir allen Mitarbeitenden wieder eine Stelle anbieten konnten, war es nicht selbstverständlich, dass das Personal den Beschluss mit viel Rationalität und wenig Emotionen aufgenommen hat.

Spielmann: Auch ich war beeindruckt, zumal wir bei der Comunitas in kurzer Zeit zwei Abgänge an der Spitze unserer Pensionskasse zu bewältigen hatten. Ich denke zurück an den Börsencrash von 2008, der für uns eine grosse Herausforderung war, an der wir bei der Comunitas auch wirklich gewachsen sind und zum Beispiel den Deckungsgrad von 82 auf über 100 Prozent erhöhen konnten.

Erinnern Sie sich an die ersten spontanen Reaktionen? Im Stiftungsrat, in der operativen Führung, bei den Mitarbeitenden und bei den Kunden?

Spielmann: Oh, ja, diese Erinnerungen bleiben. Bei der Comunitas war beim Personal der Überraschungseffekt sehr gross. Im ersten Moment war die Stimmung durchaus leicht bedrückt, Unsicherheit machte sich breit. Aber bald kamen die ersten Mitarbeitenden, die in der Fusion eine Chance sahen.

Flück: Es kommen zwei unterschiedliche Kulturen zusammen. Wir haben uns bei der Previs vor einigen Jahren für eine klare Sammeleinrichtungsstrategie entschieden und haben auch eine Wachstumsstrategie gefahren. Allerdings gab es nie eine Strategie, die Comunitas einzuverleiben.

Und wie sieht es auf Kundenseite aus?

Spielmann: Bei der Comunitas hat uns das Interesse der Kunden am neuen Gebilde erfreut. Also keine Rede von Kündigungswelle, ganz im Gegenteil: An den Informationsanlässen, die wir seitens Comunitas durchführten, nahmen rund 150 Interessierte teil. Das Bedauern einzelner Destinatäre war für uns auch ein Kompliment. Zum Bedauern gesellte sich aber auch immer Verständnis für die Fusion.

Flück: Auch wir haben Info-Veranstaltungen durchgeführt, in Bern und Biel. Völlig problemlos.

Wo steht das Projekt heute?

Flück: Das Wichtigste vorweg: Wir sind auf Kurs. Das ist nicht selbstverständlich, zumal wir, wie bereits gesagt, bei der Umsetzung ein recht hohes Tempo angeschlagen haben. Mir ist bewusst, dass dieses Tempo vor allem die operative Führung zurzeit enorm fordert.

Spielmann: Ja, es gibt zurzeit viel zu bewältigen und noch mehr zu planen. Wir führen zwei Kulturen zusammen und werden im kommenden Frühjahr auch örtlich unter ein Dach kommen. Der neue, gemeinsame Geschäftssitz an der Brückfeldstrasse in Bern liegt zentral in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs.

Flück: Dem Aufbau einer neuen, gemeinsamen Kultur schenken wir ein besonderes Augenmerk. Teambildung geschieht am besten bei gemeinsamen Arbeiten. Wir haben im Mai aber auch einen gemeinsamen Anlass ausserhalb der Büromauern durchgeführt, und da sassen die Mitarbeitenden bunt durcheinander.

Der 21. Juni war ein historisches Datum für beide Pensionskassen: drei Delegiertenversammlungen an einem Tag am gleichen Ort, im Stade de Suisse in Bern. Am Vormittag tagten Sie getrennt, die Comunitas feierte das 50-jährige Bestehen, am Nachmittag fand dann die erste gemeinsame DV statt. Welche Bedeutung hat dieser Tag im Fusionsprozess?

Spielmann: Das war wahrscheinlich für uns alle ein kleiner Stresstest. Die Ungewissheit ist in solchen Situationen recht gross. Umso erleichterter waren wir, dass alles bestens geklappt hat.

Flück: Es war ein sehr wichtiger Tag für uns alle. Alles war bestens vorbereitet, und die Atmosphäre habe ich als äusserst entspannt und konstruktiv erlebt. Und die positiven Worte vom Geschäftsleiter der Aufsichtsbehörde BBSA waren auch nicht ohne Wirkung.

Und nun, welche Arbeiten stehen bis zum Eintrag der fusionierten Pensionskasse im Handelsregister noch an?

Spielmann: Das Einsichtsrecht der Destinatäre ist abgeschlossen…

Flück: …und nun läuft noch die Beschwerdefrist.

Direkt gefragt: Kann die Fusion noch scheitern?

Flück: Nach meiner Einschätzung ist dies nicht mehr möglich. Zum Glück.

Spielmann: Das sehe ich ebenso.

Zum Schluss der Blick in die Ferne: Kehrt mit der Fusion jetzt Ruhe ein oder geht der Konzentrations- und Fusionsprozess in der Branche weiter?

Flück: Was die Previs betrifft, geht es darum, die neu formierte Pensionskasse zu konsolidieren. Wir sind gut aufgestellt. Und es wird nun darum gehen, neue Kundensegmente zu erschliessen. Ich denke auch an Verbände, Organisationen und das Gewerbe.

Spielmann: Auch ich bin sicher, dass wir in den neuen Strukturen wachsen können. Das Interesse an unserer neuen Pensionskasse ist offensichtlich. Neuerdings holen Broker vermehrt Offerten bei uns ein.

Interview: Andreas Schefer

Spielmann_Flück

Bild v.l.n.r.: Pierre Spielmann, Vizepräsident, Peter Flück, Präsident

Die Aufsichtsbehörde ins Bild gesetzt

Previs und Comunitas hatten bereits zu Beginn der Fusionsüberlegungen die Bernische BVG- und Stiftungsaufsicht (BBSA) einbezogen. Es sei nicht selbstverständlich, «dass Aufsichtsbehörden zu vorsorgeeinrichtungsinternen Veranstaltungen eingeladen werden», sagte der Geschäftsleiter Hansjörg Gurtner vor den Delegierten von Comunitas und Previs. Er bestätigte, dass der Konzentrationsprozess im 2.-Säule-Bereich schon seit mehreren Jahren stattfinde und dass für ein erfolgreiches Bestehen im Markt die Grösse einer Vorsorgeeinrichtung zunehmend an Bedeutung gewinne.

Hansjörg Gurtner, Geschäftsleiter BBSA

Gurtner erläuterte auf anschauliche Weise die Rolle der Aufsicht in einem Fusionsprozess: «Wir müssen den Sachverhalt vertieft abklären und uns auch insbesondere darüber versichern, dass die Rechte der Destinatäre gewahrt werden. Diesen gegenüber bestehen verschiedene Informationspflichten, welche die betroffenen Vorsorgeeinrichtungen erfüllen müssen und uns nachzuweisen sind.»

Gurtner stellte den bisherigen Prozess chronologisch dar und fand für die Fusionspartner positive Worte: «Ich kann Ihnen versichern, dass die bisherige Zusammenarbeit vorbildlich funktionierte und wir bisher keine unüberlegten Handlungen der verantwortlichen Personen feststellen konnten.»

Begegnung mit dem König

Zum Abschluss der Versammlung kamen die Delegierten in den Genuss einer Begegnung mit Schwingerkönig Matthias Glarner, der – passend zur Tagung und zur Fusion von Comunitas und Previs – unter dem Titel «Vorbereitung auf den Tag X» über seinen Weg ans Eidgenössische Schwingfest von Estavayer 2016 und die Erringung der Königskrone berichtete. Glarner präsentierte sich als intelligenter, schlagfertiger und humorvoller Gesprächspartner, der keiner Frage auswich. Das anschliessende Schwingen mit dem neu gewählten Präsidenten Peter Flück endete nach zwei Gängen unentschieden (im zweiten Gang legte Flück den Schwingerkönig mit einem sauberen Brienzer auf den Rücken) und bildete den definitiven Schlusspunkt eines stimmungsvollen Tages von Comunitas und Previs im Berner Stade de Suisse.

Wir wünschen Matthias Glarner beste Genesung und eine baldige Rückkehr ins Sägemehl.

Previs Vorsorge nach Fusion unter den Top 10

An der ersten gemeinsamen Delegiertenversammlung von Comunitas und Previs am 21. Juni im Stade de Suisse wurde der Berner Oberländer Unternehmer Peter Flück zum Präsidenten gewählt. Die rechtliche Wirksamkeit der Fusion von Comunitas und Previs erfolgt nach dem Handelsregistereintrag im Herbst 2017.

Mit der Fusion wird die Previs Vorsorge mit mehr als 37’000 Versicherten und einer Bilanzsumme von rund 5 Mia. Franken zu den zehn grössten autonomen und teilautonomen Pensionskassen der Schweiz gehören.

Peter Flück durfte in seiner Begrüssung «erfreut feststellen, dass wir den Prozess der Fusion stets in respektvoller Zusammenarbeit, stets auf Augenhöhe und immer mit dem Ziel vor Augen geführt haben». Die Herausforderungen, so Flück, würden in Zukunft nicht kleiner.

Der designierte Vizepräsident Pierre Spielmann zeigte sich seinerseits erfreut über den bisherigen Fusionsprozess und verwies auf einen weiteren Mehrwert dieser Fusion: «Comunitas bringt eine grosse Anzahl Kunden aus der ganzen Schweiz. Dies war nicht zuletzt auch ein Ziel der Previs: nicht mehr allein den Berner Markt bearbeiten, sondern in der ganzen Schweiz aktiv sein.» Er habe «selber gestaunt, wie eine Idee sich so rasch in einen wichtigen Grundsatzentscheid umwandeln kann – und dann gleich die Umsetzung folgt». Spielmann bedankte sich dreisprachig für das Vertrauen der Delegierten.

Zahlen und Fakten zur Fusion

  • Unter den Top 10 der autonomen und teilautonomen Pensionskassen in der Schweiz
  • Über 37‘000 Versicherte und Rentner von rund 1‘300 Anschlüssen (Arbeitgeber)
  • 5 Mia. CHF Bilanzsumme
  • 70 Mitarbeitende


Kunden

Die Vorsorgepläne der Comunitas und der Previs werden unverändert weitergeführt. Die angeschlossenen Arbeitgeber und Versicherten behalten bis auf weiteres die gleichen Ansprechpartner.


Vorsorgewerk Comunitas

Die Comunitas wird als Vorsorgewerk in der Sammelstiftung Previs geführt. Versicherungstechnisch eigenständig, mit eigener Jahresrechnung und eigenem Deckungsgrad.


Reglemente

Ab 1.1.2018 existieren nur noch ein Vorsorge- und ein Kostenreglement.


Anlagen

Die Vermögensanlagen der Comunitas werden in die bestehende Anlageinfrastruktur der Previs überführt; das Vorsorgewerk Comunitas investiert in die Anlagestrategie 30.


Standort

Die fusionierte Previs bezieht im Frühjahr 2018 ihren neuen Standort an der Brückfeldstrasse 16 in Bern.

Anspruchsvolle Umsetzung der Fusion

 

Die nötigen Entscheide für eine Fusion konnten auf der strategischen Ebene der Stiftungsräte relativ rasch gefasst werden. Die operative Umsetzung der daraus folgenden Vorgaben ist allerdings höchst anspruchsvoll und verlangt den Betroffenen alles ab. Und dies von Beginn weg und mit Sicherheit noch bis weit in das Jahr 2018 hinein.

Nach dem Meilenstein des Eintrags der Fusion im Handelsregister und damit dem formellen Zustandekommen der Fusion erfolgt als nächstes die Migration der Vorsorgesysteme. Die rund 15‘000 elektronischen Versichertendossiers der Comunitas werden in das Verwaltungssystem der Previs übertragen. Diese Migration erfolgt mit hoher Präzision und Sorgfalt. Deshalb stehen auch die Verwaltungssysteme ab dem 15. Dezember 2017 für Mutationen nicht mehr zur Verfügung.

Die Fusion erfolgt rückwirkend auf den 1. Januar 2017. Die Kundenberatung auf der Ebene Arbeitgeber wurde bereits sehr früh in die Organisation der Previs überführt. Mit dem Zusammenschluss bleiben die Kundenbetreuenden der bisherigen Comunitas vorderhand für die Versicherten und Arbeitgeber des Vorsorgewerks Comunitas wie auch für alle anderen Vorsorgewerke der Previs die gleichen. Mit der Integration des Vermögens der Comunitas in dasjenige der Previs wurde auch entschieden, dass das Vorsorgewerk Comunitas in der Anlagestrategie 30 (30% Aktienanteil) investiert ist.

Ab dem 1. Januar 2018 erfolgt die Kommunikation ausschliesslich unter der Marke und dem Logo der Previs. Die Bezeichnung der einzelnen Vorsorgewerke wird wie bisher weitergeführt. Das heisst, die Comunitas wird wie im Fusionsvertrag definiert als «Vorsorgewerk Comunitas» bezeichnet.

Fusionen können nicht nur bei den betroffenen Kunden Fragen auslösen. Auch die Mitarbeitenden beider Partner sind sehr stark betroffen. Allen Mitarbeitenden konnte eine Stelle in der fusionierten Previs angeboten werden. Nicht alle haben dieses Angebot angenommen. Einige Weggänge mussten auch bei Schlüsselstellen verzeichnet werden. Diese sind zwar bedauerlich, konnten aber in der Zwischenzeit mit ausgezeichneten Nachfolgelösungen wiederbesetzt werden. Nichtsdestoweniger ist die Fusionsphase für alle Mitarbeitenden eine belastende, aber gleichzeitig an Erfahrungen wertvolle Zeit.

Die Geschäftsleitung, bestehend aus Nathalie Sesiani, Leiterin Vorsorge Leistungen, Beatrice Schmid, Leiterin Vorsorge Entwicklung, Daniel Zwygart, Leiter Vermögensanlagen, Pierre-Alain Cosendai, Leiter Finanzen & Controlling, Stefan Ernst, Leiter Kunden & Kommunikation, und Stefan Muri, Geschäftsführer, freut sich, den Mitarbeitenden am neuen, zusammengeführten Standort an der Brückfeldstrasse 16 in Bern ab dem Frühjahr 2018 modernste Arbeitsplätze für ein effizientes und effektives Arbeiten zugunsten der Kunden anbieten zu können.

Stefan Muri,
Geschäftsführer